«Wer unseren Weg nicht mitgeht, bedroht seine Existenz»

1. Dezember 2017 agvs-upsa.ch – «Wer nicht mitzieht, der bedroht seine Existenz, das sage ich ganz offen»: Am «Tag der Automobilwirtschaft» im deutschen Nürtingen forderte VW-Vertriebschef Thomas Zahn die Markenpartner auf, den eingeschlagenen Weg mitzugehen – oder sie würden vom Markt verschwinden. In dieser Deutlichkeit hat das noch nie ein Herstellervertreter gesagt.


VW-Vertriebschef Thomas Zahn. (Bild kfz-Betrieb Online)

kro. Sein Konzern habe den digitalen Wandel bereits angestossen, sagte Thomas Zahn gestern anlässlich des deutschen «Tag der Automobilwirtschaft» in Nürtingen. Jetzt gelte es für die Händler, den eingeschlagenen Weg mitzugehen. Wer das nicht mache, so Zahn, «wird vom Markt verschwinden. Das ist praktisch ein Naturgesetz». In dieser Deutlichkeit hat das bisher noch kein Vertreter der Hersteller gesagt.
 
«Ein völlig anderes Spiel als noch vor ein paar Jahren»
Zahn machte laut kfz-Betrieb Online auch deutlich, dass eine Vielzahl neuer Mitbewerber am Markt die Digitalisierung dafür nutzen wolle, sich zwischen den Händler und den Kunden zu platzieren. In China sei das schon viel stärker der Fall als hierzulande. Zahn wies darauf hin, dass ständig neue Geschäftsmodelle entstehen würden: «Automobilvertrieb ist ein völlig anderes Spiel als noch vor ein paar Jahren.» Es gelte, die analoge und die digitale Welt zusammenzuführen und in einem ersten Schritt die Basisprozesse zu digitalisieren.
 
Zahn wies bei dieser Gelegenheit auch darauf hin, was der Volkswagenkonzern darunter versteht: Um den neuen Anforderungen gerecht werden zu können, habe VW im November dieses Jahres die App «Volkswagen We» eingeführt, die als «digitale Dialogzentrale» zwischen Kunde, Handel, Marke und Fahrzeug fungieren soll. Damit sei es für Kunden schon jetzt möglich, online Termine beim Händler zu buchen. 2018 will VW seinen Aussagen zufolge den Onlineverkauf von Gebrauchtwagen integrieren, ein Jahr später Neuwagen und Mobilitätsdienste.
 
30‘000 VW-Mitarbeitende digital schulen
In seinem aufrüttelnden Referat gab der VW-Vertriebschef auch einen Einblick in den Aufwand, den VW für diese Transformation betreibt: Alleine im Handel müssten etwa 30‘000 Mitarbeitende «über einen langen Zeitraum» geschult werden, um sie für die neuen Herausforderungen im digitalen Zeitalter zu rüsten. Das werde, so Zahn, «eine Herkulesaufgabe».
 
Die Dringlichkeit des Themas zeigt dem Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS), wie richtig er mit der Wahl des Themas zum nächsten «Tag der Schweizer Garagisten» vom 17. Januar 2018 im Kursaal in Bern liegt: Unter dem Titel «Mission Mobilität. Die Rolle des Garagisten. Was ändert – und was bleibt» erläutert der AGVS an diesem Tag die Auswirkungen der Pläne der Hersteller auf das künftige Geschäftsmodell des Garagisten. Bestätigt wird der AGVS durch die aktuelle Anzahl an Anmeldungen: Mit derzeit 750 Teilnehmern zeichnet sich ein neuer Rekord ab. Damit ist die AGVS-Tagung nicht nur die mit Abstand grösste Fachtagung der Schweizer Autobranche, sie ist auch deutlich grösser als der deutsche «Tag der Automobilwirtschaft» mit insgesamt 600 Teilnehmern.
 
Willi Diez – ein guter Bekannter für Schweizer Garagisten
Der «Tag der Automobilwirtschaft» wird vom Institut für Automobilwirtschaft der Universität Nürtingen organisiert. Sie ist Teil der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Direktor und Initiator des Instituts ist Professor Willi Diez, einer der renommiertesten Kenner der Automobilindustrie. Diez war 2017 auch Gast am «Tag der Schweizer Garagisten» im Kursaal in Bern. Sein Referat können Sie hier nachlesen. Den ganzen «Tag der Schweizer Gargisten» 2017 können Sie hier Revue passieren lassen.

 
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