«Wir sind hungrig und wollen weiterwachsen»

11. Juni 2018 agvs-upsa.ch – Rund 160 Interessierte waren der Einladung an die ZF Suisse Power-Show in Volketswil ZH gefolgt. Sie erlebten hochkarätige Referenten und spannende Präsentationen. Im Zentrum stand die Elektrifizierung, doch auch für den Diesel wurde eine Lanze gebrochen.

sco. Mit 146'000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 36,4 Milliarden Euro (2017) ist die ehemalige Zahnradfabrik Friedrichshafen heute der weltweit zweitgrösste Automobilzulieferer. «Erst kommt der Motor und gleich danach kommt ZF», erklärte Thomas Kaufmann, CEO von ZF Suisse/Austria, bei der Begrüssung der 160 Gäste und schob gleich Entscheidendes nach: «Mit der Elektromobilität verschiebt sich das.» Was er damit meinte, zeigten die Referate der ZF-Leute Knut Heidsieck und Matthias Wenger.

Heidsieck stellte eine neuartige, modulare Hinterachse vor, deren Entwicklung schon weit fortgeschritten ist. Das System mit dem Namen mSMART (mobular Semi Trailing Arm Rear Suspension) soll dereinst als Plattform dienen, welche der Hersteller nach eigenem Gusto konfigurieren kann: mit oder ohne Antrieb, elektrisch oder konventionell, mit oder ohne Lenkung. «Die Hersteller verlangen nach solchen Plattform-Lösungen», erklärte Heidsieck die Neuheit. Auf Forschung und Entwicklung legt ZF grossen Wert, allein 2017 wurden in diesen Bereich 2,23 Milliarden Euro investiert.

Matthias Wenger thematisierte zwei neue Elektroantriebe für Stadtbusse. Der Radnabenmotor AVE 130 und den Zentralantrieb CeTrax, der die 160 Zuhörer (und vereinzelten Zuhörerinnen) mit herausragenden Leistungen aufhorchen liess. So erreicht der CeTrax einen maximalen Abtrieb von bis 4500 Nm und erreicht über 30 Minuten 2170 Nm. Diese Leistung ermöglicht es dem kompakten, nur rund 260 Kilogramm leichten Elektroaggregat, einen 29 Tonnen schweren Gelenkbus in einer Steigung von 23 Prozent zu bewegen!

Für ZF eröffnet die zunehmende Elektrifizierung die Chance zur vertikalen Integration vom Getriebe zum gesamten Antriebsstrang. Entsprechend forsch blickt der Konzern in die Zukunft, Oder um es mit den Worten von Thomas Kaufmann auszudrücken: «Wir sind hungrig und wollen weiterwachsen.» In den Pausen präsentierten die ZF-Verantwortlichen ihren Gästen die hauseigenen Werkstätten, wo Achsen, Lenkungen und Getriebe sämtlicher Hersteller von Nutzfahrzeugen, Personenwagen, Baumaschinen und Bussen revidiert und repariert werden.

«Euro-6 ist fast ‹Zero Emission›»

Im Anschluss an die beiden ZF-Techniker brach Peter Krähenbühl, Geschäftsführer der FPT Motorenforschung in Arbon, eine Lanze für den Diesel. Dieser habe durchaus noch eine Daseinsberechtigung und auch eine Zukunft: «Ich spreche vom Bereich Heavy Duty, nicht von Personenwagen»,, schränkte Krähenbühl ein. In den letzten 20 Jahren habe der Diesel seine Emissionen um 98 Prozent reduziert. «Ein moderner 40-Tönner hat heute tiefere Emissionen als ein Diesel-PKW.» Die Euro-6-Norm sei beinahe schon «Zero Emission», aber es gebe weiterhin Potenzial zur Verbesserung. Als er Diesel 1893 erfunden wurde, betrug seine Energieeffizienz 26 Prozent. Heute liegt sie bei rund 47 Prozent und bis 2020 seien 50 Prozent zu schaffen, so der Diesel-Experte. Die Physik lasse nicht mehr viel zu, aber beim Wärmeverlust und der Verbrennungseffizienz sieht Krähenbühl noch Potenzial. Zudem tritt er für eine «milde Elektrifizierung» ein, der letzte Kilometer müsse mit null Emissionen möglich sein. Weltweit werde der Diesel im Bereich Heavy Duty die Haupttechnologie bleiben: «Es wäre dumm, den Diesel nicht weiter zu verbessern.»
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