Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Jahresbilanz von Auto-Schweiz

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

5. Juli 2024 agvs-upsa.ch – Die Schweizer Automobil-Importeure haben die CO2-Zielwerte 2023 eingehalten. Trotzdem kein Grund, sich zurückzulehnen. Dies zeigte sich an der Auto-Schweiz-Jahreskonferenz, an der neben der neuen Verbandsstrategie auch Forderungen an die Politik präsentiert wurden. Jürg A. Stettler

auto-schweiz-artiekl.jpgPräsident Peter Grünenfelder (links) und Direktor Thomas Rücker von Auto-Schweiz. Fotos: AGVS-Medien

An der Jahresbilanz-Konferenz von Auto-Schweiz, also der Vereinigung offizieller Automobil-Importeure, machte Präsident Peter Grünenfelder klar, dass die erstmalige Erreichung der CO2-Zielwerte für neue Personen- und Lieferwagen 2023 nicht über aktuelle Herausforderungen im Bereich der E-Mobilität hinwegtäuschen dürfe. «Fast zehn Prozent des Werts aller Schweizer Importe entfielen im vergangenen Jahr auf Fahrzeuge und Ersatzteile. Diese enorme Wirtschaftskraft unserer Branche darf nicht leichtfertig mit Überregulierungen und zusätzlichen Erschwernissen beim Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge gefährdet werden», so Grünenfelder.

Er warnte auch davor, sich wegen der Strafzölle für E-Autos aus China, welche die USA bereits vor Wochen eingeführt haben und die EU per 5. Juli einführte, in einen Handelskrieg hineinziehen zu lassen. «Die Schweiz sollte allen Marktteilnehmern offen stehen – auch aus China. Das vergrössert das Angebot an E-Fahrzeugen und hilft am Schluss den Endkunden.» Wolle die Schweiz ihre mobile Bewegungsfreiheit behalten, dann müsse im November ausserdem an der Urne die STEP-Vorlage angenommen werden, um die Engpassbeseitigungen auf Nationalstrassen zu realisieren und so den zunehmenden Staustunden in der Schweiz entgegenzuwirken.

Nachfrage nach E-Autos schwindet
Sorgen bereitet den Importeuren, dass die Nachfrage nach Elektroautos seit Jahresbeginn deutlich abgenommen hat. Der Marktanteil der vollelektrischen Personenwagen liegt im ersten Halbjahr 2024 bei lediglich 17,6 Prozent – im Gesamtjahr 2023 war mit 20,9 Prozent dagegen bereits mehr als jeder fünfte Neuwagen ein E-Auto. Als Leiter der Import- und Vertriebsabteilung für mehrere Marken bei der Emil Frey AG sehe er diese Entwicklung bei Personen- als auch Lieferwagen als problematisch an, so Vizepräsident Donato Bochicchio. «Die Automobilwirtschaft wird in diesem und nächsten Jahr grösste Mühen haben, den bisherigen Absenkpfad des Flottenausstosses zu halten, wenn der Anteil der E-Fahrzeuge nicht mehr weiter ausgebaut werden kann. Das wird alle Konsumenten teuer zu stehen kommen, weil es zwangsläufig zu Preiserhöhungen der Fahrzeuge führen wird und somit indirekt auf alle Konsum- und Investitionsgüter durchschlagen könnte.»

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Gutes Halbjahr nötig zur Zielerreichung
Die aktuelle Kaufzurückhaltung habe nicht nur Einfluss auf das prognostizierte Jahresergebnis, an dem man mit 260'000 Personenwagen und 30'000 leichten Nutzfahrzeugen festhalte – wozu es aber ein starkes zweites Halbjahr brauche. Sondern vor allem aufs Alter des Fahrzeugparks. «Der wird immer älter – eine Herausforderung», sagte Bochicchio. «Durch die verzögerte Erneuerung erfolgt auch kein Umstieg auf neue Technologien. Das Gesamtkonzept im Bereich der E-Mobilität stimmt für die Kunden schlicht noch nicht.» E-Mobilität funktioniere nur, wenn sie sich für Kunden rechne und die eigene Versorgungsicherheit gewährleistet sei.

Kein «Swiss Finish» und Technologieoffenheit
Für Auto-Schweiz ist daher die Schaffung wirtschaftsfreundlicherer Rahmenbedingungen zwingend, wozu auch ein Verzicht auf weitere kostentreibende «Swiss Finish»-Regulierungen gehöre, wie sie der Bundesrat mit der künftigen CO2-Verordnung erneut ins Auge gefasst habe. Es brauche Flexibilisierung der CO2-Zwischenzielwerte, Technologieoffenheit, Versorgungssicherheit und günstigere, transparente Strompreise sowie ein dichtes Ladenetz. Thomas Rücker, der neue Direktor von Auto-Schweiz, ergänzte: «Vor allem im gewerblichen Bereich ist der Weg noch lang. Es sind enorme Anstrengungen nötig, um die Grenzwert-Hürden von 2025 mit 93,6 g CO2/km bei Autos und 153,9 g bei leichten Nutzfahrzeugen sowie bei LKW eine Reduktion um 15 Prozent zu erreichen.»

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Die Absenkung der CO2-Werte dürfe nicht über Produktverteuerungen oder Einschränkungen bei der Modellwahl erzwungen werden. Der Kunde solle aus eigenem Antrieb heraus ein E-Auto kaufen und nicht falsche Anreize erhalten. Für die Erreichung der Emissionsziele solle vielmehr auf alle nützlichen Technologien zurückgegriffen werden. Peter Grünenfelder erklärte daher: «Wenn bei batterieelektrischen Personenwagen eine vollständige Marktdurchdringung möglich scheint, muss dies nicht unbedingt mit der gleichen CO2-neutralen Technologie bei Fernreisebussen oder Lastwagen der Fall sein. Das Gebot heisst deshalb Technologieoffenheit.»

Klare Forderungen an die Politik
Die Branche habe für die Transformation der Mobilität ihre Hausaufgaben gemacht und bekenne sich zu den Klimazielen. Nun müsse die Politik aber die Rahmenbedingungen anpassen. Hier brauche es einige Spurwechsel für eine erfolgreiche E-Mobilität in der Schweiz. Die Verbandsspitze von Auto-Schweiz fordert daher:
  • Einen konsequenten Verzicht auf kostentreibende «Swiss Finish»-Regulierungen.
  • Flexibilisierung des CO2-Absenkungspfads.
  • Fünfjährige Aussetzung der Automobilsteuer auf den Import von E-Fahrzeugen.
  • Private Anreize für Ladeinfrastruktur.
  • Versorgungssicherheit mit günstigeren Strompreisen.Technologieoffenheit.
Abschliessend brachte es Peter Grünenfelder im zukunftsträchtigen «NEST», einem modularen Forschungs- und Innovationsgebäude der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in Dübendorf ZH, auf den Punkt: «Lassen wir die Forscher und Ingenieure die neuen Antriebstechnologien festlegen und nicht die Politik!»
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