«Im Moment gibt es viele offene Fragen»

22. Mai 2020 agvs-upsa.ch – Am 1. Mai hat der Waadtländer Sandro Mesquita (45) seine Arbeit als neuer Direktor der Geneva International Motor Show (GIMS) aufgenommen. Die AGVS-Medien sprach mit dem Nachfolger des nach nur einem Jahr abgetretenen Olivier Rihs.
 
jas. Herr Mesquita, Sie sind Marketing- und Kommunikationsexperte und waren mehr als 15 Jahre in nationalen und internationalen Unternehmen der Telekommunikations- und Energiebranche tätig. 2013 schlossen Sie sich einem der grössten internationalen Kommunikationskonzerne an, wo Sie zunächst die Genfer Niederlassung einer Branding-Beratungsagentur leiteten und dann Geschäftsführer der kreativen Kommunikationsabteilung des Konzerns in Lausanne wurden. Welche Beziehung haben Sie zum Auto und zur Autobranche?
Sandro Mesquita, GIMS-Direktor: Ich hatte schon immer eine starke emotionale Bindung zum Auto, zum Design der Fahrzeuge, aber auch zur faszinierenden Technik unter ihrer Carrosserie. Zudem hat mich die bedeutende Rolle des Autos und des Individualverkehrs bei der Entwicklung unserer Gesellschaft stets beeindruckt. Ausserdem stelle ich mir viele Fragen zur Entwicklung der Mobilität von Morgen.

Was reizt Sie besonders an Ihrer neuen Aufgabe als GIMS-Direktor?
Die grosse Herausforderung, diese Position für eine Ikone in der Schweizer Messelandschaft anzutreten. Die GIMS ist ein Flagship-Event in der Schweiz, aber auch international. Das ist für mich Anreiz genug, zudem ist es sehr movierend, an der Transformation der GIMS von einer Automesse zu einem Event mit Strahlkraft für die Branche teilzuhaben. Die Zeiten, in denen in Genf nur Autos gezeigt wurden, sind vorbei. Der diesjährige Salon hätte diese Entwicklung schon deutlich gemacht. Wir wollten eine interaktive Messe sein und meine Herausforderung ist es, diesen Weg weiter zu gehen sowie neue Akzente zu setzen.


Sie sind seit dem 1. Mai GIMS-Direktor. Waren Sie in den letzten zwei Wochen schon in Ihrem Büro?
Ich war dreimal und nur ganz kurz im Büro und hatte noch nicht die Gelegenheit, viele Leute oder mein ganzes Team kennenzulernen. Bei den drei Besuchen in Genf ging es vielmehr darum, technische Details zu klären, damit ich nun von zu Hause aus arbeiten kann. Aktuell befinden sich mein Team und ich im Homeoffice. Dies ist für einen Neustart natürlich nicht ideal, aber es funktioniert. Und ich hoffe natürlich wie alle in der Schweiz, dass schon bald wieder Normalität einkehrt.
 
Die Menschen müssen sich weiterhin ans «Social Distancing» halten. Können Sie sich da bereits wieder eine GIMS mit tausenden Besucherinnen und Besuchern in den Palexpohallen 2021 vorstellen?
Eine gute Frage, auf die ich noch keine Antwort habe. Ich denke, wir müssen ein neues Format für den Zugang zur GIMS finden. Vielleicht ist es 2021 noch nicht möglich, dass so viele Leute auf einmal und am gleichen Tag in die Palexpohallen strömen. Vielleicht müssten wir die GIMS sogar verlängern, um die Besucherströme so besser regeln und verteilen zu können. Aber im Moment gibt es noch so viele offene Fragen, was im März 2021 überhaupt möglich sein wird und was nicht. Wir müssen daher in Szenarien planen.
 
Für 2020 waren viele Neuerungen wie GIMS Discovery oder GIMS Tech geplant, kommen diese noch in diesen Szenarien vor oder sind solche Projekte nun vom Tisch?
Die generelle Richtung mit diesen neuen Messeformaten war richtig. Ich möchte diese Projekte wie GIMS Discovery, GIMS Tech, GIMS VIP Days weiterführen. In erster Linie müssen wir für 2021 aber einen Salon auf die Beine stellen, der für die Besucherinnen und Besucher genauso wie für die einzelnen Marken Sinn macht. Die Autobranche erlebt wegen der Corona-Pandemie eine grosse Krise und muss die Transformation im Mobilitätsbereich meistern. Ich hoffe, wir können als GIMS eine Plattform sein, auf der wir das Wachstum und die positiven Entwicklungen der Branche aufzeigen.
 
Sie glauben an die GIMS, sonst wären Sie kaum deren Direktor geworden. Doch was sind für Sie die grössten Herausforderungen, damit 2021 eine GIMS stattfinden kann?
Es gibt mehrere. Zuallererst müssen wir eine solide finanzielle Basis für eine Austragung der nächsten GIMS finden. Denn ohne Geld können wir keinen Salon organisieren. Als zweiter Punkt müssen wir mit den Marken über die Ziele des Salons diskutieren. Wir müssen dabei die Bedeutung des Salons innerhalb der Kommunikationsstrategien der Marken aufzeigen und zusammen auch neu definieren.
 
Einige Hersteller waren, ob der kurzfristigen Absage wenig erbaut. Hat sich dieser Ärger schon gelegt und haben Sie allenfalls schon fixe Zusagen für 2021?
Wir haben von einigen Marken bereits positive Signale erhalten, aber noch keine fixen Zusagen. Dafür ist es zu früh. Die Marken legen ihre Budgets fürs nächste Jahr normalerweise im August oder September fest und daher werden wir vorher keine Klarheit haben. Nur schon das Signal, dass gewisse Marken 2021 nach Genf kommen möchten, ist sehr positiv für uns. Dennoch müssen wir mit vielen Unklarheiten arbeiten. Darum kann ich auch noch nicht zu 100 Prozent sagen, ob wir für 2021 eine GIMS organisieren können. Wir tun logischerweise alles dafür, damit die GIMS im nächsten Frühling ihre Tore öffnen wird. Gleichzeitig arbeiten wir auch mit anderen Szenarien – ansonsten wären wir nicht professionell –, in denen der nächste Genfer Salon erst in zwei Jahren stattfindet. Es ist keine Option, die ich mir wünsche, aber es ist eine Variante. (Quelle: GIMS)
 
Das komplette Interview lesen Sie im AUTOINSIDE vom Juni 2020
 
Kanton will Stiftung entmachten
Der Stiftungsrat und zugleich Organisator der Geneva International Motor Show (GIMS) hat kurz nach der Absage der 90. Ausgabe des Genfer Salons beim Kanton Genf um Finanzhilfe gebeten. Nun kam gemäss «SonntagsBlick» die Antwort, in der die Regierung den Salon-Organisatoren Finanzhilfe in Höhe von 16,8 Millionen Franken zusichern, aber diese an happige Forderungen knüpfen. Die Finanzhilfe muss zudem im Juni vom Genfer Parlament noch abgesegnet werden. Die GIMS-Stiftung müsste seine Aktien an die zu 80 Prozent dem Kanton gehörende Genfer Messegesellschaft Palexpo SA verpfänden. Dadurch würde die Stiftung, der mehrheitlich Vertreter von Schweizer Autoimporteuren angehören, ihren Einfluss auf die GIMS-Organisation komplett verlieren.
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