Präsenz markieren – «Das Leben geht weiter»

Automechanika Frankfurt

Präsenz markieren – «Das Leben geht weiter»

17. September 2021 agvs-upsa.ch – Die Automechanika ist eigentlich die weltweite Leitmesse der Automobil-Zulieferbranche. Das Wort «eigentlich» verrät’s: Die Automechanika 2021 war das eigentlich nicht.
 
Die zentrale Frage der IAA Mobility: Was wird uns in Zukunft bewegen?
Zur Berichterstattung über den Event in München geht es hier. 

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Rund 10'000 Besucher aus 70 Ländern verfolgten das Messeprogramm über drei Tage hinweg live in Frankfurt und online. Quelle: Automechanika

sco. Die Organisatoren hatten das Konzept für die Austragung 2021 umgestellt. Eine physische Messe vor Ort, ergänzt durch digitale Messestände, sollten für den Re-Start ausreichen. Wo vor drei Jahren noch 5000 Unternehmen auf mehr als 315’000 Quadratmetern sowie 135’000 Fachbesuchern aus aller Welt das riesige Messegelände mit Leben füllten, war 2021 die untere Etage von Halle 3 mehr als ausreichend. «Kompakt» nannten es die Organisatoren in ihrer Medieninformation zum Start am 14. September. Nach offizieller Lesart stellten rund 300 Unternehmen aus, davon war jedoch rund die Hälfte ausschliesslich digital präsent.
 
«Seien wir ehrlich. Diese Automechanika ist eine Messe für Deutschland und für jene Nachbarstaaten, von denen Frankfurt mit dem Auto erreichbar ist: Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen…», sagte Werner Arpogaus, Geschäftsführer Texa Deutschland, stellvertretend für die rund 150 Aussteller, die nach der pandemiebedingen Absage 2020 in Frankfurt präsent waren. Um ein Bild zu zeichnen: Corona traf das internationale Messewesen wie ein Vulkanausbruch. Nach der Eruption überdeckte eine dicke Schicht aus Schutt und Asche die Messen weltweit. Doch wie es in der Natur Pionierpflanzen gibt, die diese unwirtliche Schicht nach einiger Zeit durchbrechen und für neues Leben sorgen, so sind es die Aussteller 2021, die als Pioniere einen Neustart wagen. «Es geht in erster Linie darum, Flagge zu zeigen und Präsenz zu markieren», sagte Peter Ballé, Geschäftsführer von Solera Audatex Schweiz. Natürlich nutzten Peter Ballé und sein Team die Automechanika auch, um die «Visual Intelligence» ihrer Programme Qapter und Qapter Claims zu demonstrieren, welche die Schadenkalkulation schneller und einfacher machen und Werkstätten, Versicherer und Sachverständige in den Prozess integrieren: «Die Feedbacks sind sehr gut.»

Neuheiten zeigte auch Werner Arpogaus von Texa. Einerseits die Klimageräte 760 und 780 Touch Bi-Gas mit ihrer intuitiven Steuerung, andererseits das neue, digitale Kalibriersystem RCCS 3 mit einem 75-Zoll-Monitor, der die bisherigen Kalibriertafeln ersetzt. RCCS 3 mit Monitor ist die neue Lösung von Texa für die Einstellung von Radar- und Lidarsystemen sowie für Kameras und Sensoren durch die digitale Darstellung der Kalibriertafeln. Absatzziele hatte sich Texa nicht gesetzt, zu gross war die Unsicherheit im Vorfeld der Messe. Entsprechend beschränkten sich Werner Arpogaus und sein Team auf einen 40 Quadratmeter grossen Stand, der von der Messe Frankfurt aus Standardmodulen aufgebauten wurde – andere Jahre war der Stand von Texa zehnmal grösser und umfasste zwei Stockwerke.
 
«Diese Standardmodule sehen überraschend gut aus», meinte Ralph Meichtry, Gründer und Geschäftsführer von Betag Innovation, das als einziges Schweizer Unternehmen physisch in Frankfurt präsent war. Auch für Ralph Meichtry und sein Team ging es nicht in erster Linie um Kundenakquisition, sondern um Präsenz: «Wir wollten ein Zeichen setzen. Covid ist da, aber das Leben geht weiter.» Neben Frankfurt gehören auch die Automechanika Schanghai und die SEMA in Las Vegas zu den Pflichtterminen des Global Players im Bereich Carrosserie aus Wollerau SZ. Neben Schulungsprogrammen – unter anderem für Hersteller wie BMW, Ford oder Toyota – produziert Betag Innovation Werkzeuge, um Carrosserieschäden zu beheben. «Das Thema Sustainability wird in unserer Branche immer wichtiger. Wo früher ersetzt wurde, wird heute repariert, soweit das möglich ist.» Mit Clearcarrep in Zusammenarbeit mit der ESA und der Helvetia Versicherung ermöglicht Betag Innovation den angeschlossenen Carrossiers, ihren Betrieb anonym mit den Mitbewerbern zu vergleichen und auf diese Weise die Effizienz sowie die Rentabilität zu erhöhen. Nun wurde das Tool um eine Berechnung des CO2-Fussabdrucks erweitert. Ralph Meichtry: «Früher achtete der Kunde in erster Linie auf den Preis und die Zeit für die Reparatur. Heute wird die Ökologie zu einem immer wichtigeren Kriterium.»

Drei Tage dauerte die Automechanika Frankfurt Digital Plus. Rund 10’000 Besucher aus 70 Ländern verfolgten das Messeprogramm über drei Tage hinweg live in Frankfurt und online. Zwei Drittel der Teilnehmer nutzen dabei die vielen neuen digitalen Features an den Bildschirmen wie Livestreams, oder 1-zu-1 Videocalls. 21’000 Mal wurden die Streams geschaut und 1600 Videocalls durchgeführt. 

Die Automechanika 2021 war ein zartes Pflänzchen, das sich aus dem Schutt der Pandemie zu befreien versuchte. Vom 13. bis 17. September 2022 ist die nächste Austragung geplant – vielleicht wird aus der Pionierpflanze wieder eine globale Plattform für den Automotive Aftermarket. Es wäre der Branche zu wünschen.

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Detlef Braun, Geschäftsführer Messe Frankfurt erklärt: «Der Messe-Motor ist angesprungen. Ein gutes Warm-up für die Automechanika Frankfurt und die Hypermotion im nächsten Jahr.» Quelle: Automechanika
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